Der Duft der Haut

Es war später Nachmittag, und die Sonne stand tief.
Das Licht fiel durch das halb geöffnete Fenster, wärmte den Raum, ließ Staubpartikel tanzen wie winzige Sterne.
Sie stand mit dem Rücken zum Fenster, das Haar lose, den Atem ruhig.
Er trat leise hinter sie, so nah, dass sie seinen Atem spürte, aber sich noch nicht berührte.
Einen Moment lang war da nur Stille.
Dann legte er die Hand an ihre Schulter – vorsichtig, fast fragend.
Sie antwortete mit einem leisen Atemzug, ein kaum hörbares Ja.
Er neigte den Kopf, roch ihr Haar, ihre Haut, diesen unverwechselbaren Duft von Wärme, Nähe und Leben.
Es war kein Begehren, das ihn leitete.
Es war Erinnerung.
Irgendwo tief in ihm wusste er, dass er diesen Moment schon einmal erlebt hatte – vielleicht in einem anderen Leben, vielleicht in einem Traum.
Die Art, wie sie atmete, das Licht auf ihrer Haut, das lautlose Fließen zwischen ihnen – es war wie Heimkehr.
Er strich über ihren Nacken, langsam, mit offener Hand.
Ihr Körper antwortete sofort, so fein, dass man es kaum sehen konnte – ein Zittern, ein leichtes Senken des Kopfes, ein Fluss von Energie.
In diesem Augenblick war kein Gestern, kein Morgen – nur das Jetzt.
Nur Atem, Licht und Haut.
Sie drehte sich um, und als ihre Blicke sich trafen, fiel alles ab: Scham, Zurückhaltung, Zeit.
Da war nur noch dieses leuchtende Erkennen.
Er sah sie, und sie sah ihn – ohne Geschichte, ohne Rolle, ohne Angst.
Der Duft ihrer Haut blieb in seinem Bewusstsein, wie eine Spur von Licht.
Er wusste, dass er diesen Moment nie vergessen würde – nicht, weil er sinnlich war,
sondern weil er wahr war.




